Als du gestorben bist, Thomas,
wünschte ich mir, die Welt würde für einen Augenblick stillstehen.
Dass die Sonne nicht mehr aufgeht,
weil sie verstehen müsste,
dass mit dir mein Zuhause verschwunden ist.
Ich wollte, dass der Wind schweigt,
dass die Vögel ihre Lieder vergessen
und die Blumen ihre Farben verlieren.
Denn wie sollte etwas schön sein,
wenn du es nie wieder sehen kannst?
Doch der Morgen kam trotzdem.
Die Menschen gingen arbeiten.
Die Kinder lachten.
Autos fuhren vorbei.
Das Leben machte einfach weiter –
obwohl meines an dem Tag
auf dieser Straße mit dir stehen geblieben ist.
Und ich verstand nicht,
wie die Welt sich weiterdrehen konnte,
während unsere drei Kinder ihren Papa verloren hatten
und ich den Menschen,
mit dem ich alt werden wollte.
Ich wartete darauf,
dass der Himmel zeigt,
wie unendlich groß dieser Verlust ist.
Dass irgendetwas geschieht,
das erklärt,
warum ein so liebevoller Mensch
so früh gehen musste.
Aber die Welt blieb dieselbe.
Nur ich war es nicht mehr.
Seitdem lerne ich jeden Morgen neu,
dich gehen zu lassen.
Nicht nur einmal,
sondern immer wieder.
Wenn unsere Kinder von dir erzählen.
Wenn ich nach Hause komme
und niemand mehr auf mich wartet.
Wenn etwas Schönes passiert
und ich dir davon erzählen möchte.
Wenn ich merke,
wie sehr du uns fehlst.
Vielleicht ist das das Grausamste an der Liebe:
Dass der Tod einen Menschen nur einmal nimmt,
aber die, die zurückbleiben,
ihn tausendmal loslassen müssen.
Und trotzdem trage ich dich weiter.
In jedem Gedanken.
In jedem Schritt.
In unseren Kindern.
Und in der Liebe,
die selbst der Tod nicht nehmen konnte