Alle sagen, die Zeit heilt.
Aber das ist die größte Lüge, die man uns erzählt hat.
Die Zeit heilt nichts.
Sie macht nur, dass du immer weiter fort bist. Jeden Tag schiebt sie uns ein Stück weiter weg von dem Moment, in dem du noch gelebt hast.
Von dem Tag, an dem du gelacht hast. Von der Wärme, die du ins Zimmer gebracht hast. Von dem Klang deiner Stimme, der uns damals so selbstverständlich begleitet hat.
Heute klingt alles anders.
Leiser.
Leerer.
Die Zeit trägt dich fort. Stunde für Stunde. Und wir versuchen, dich festzuhalten.
In Bildern.
In Erinnerungen.
In unseren Gedanken.
Aber je länger es her ist, desto mehr verschwimmt das, was einst so klar war. Wir erinnern uns. Und gleichzeitig verlieren wir dich immer wieder.
Es gibt Momente, in denen wir Angst haben, dein Lachen nicht mehr genau zu kennen. Wie sich deine Hand angefühlt hat.
Wie dein Name geklungen hat, wenn wir ihn laut gesagt haben.
Die Zeit nimmt dir nichts weg, sagen sie. Aber sie nimmt uns das Kostbarste.
Die Nähe zu dir. Den letzten Augenblick, in dem du noch hier warst. Jeder neue Tag ist ein weiterer Schritt von dir fort.
Und wir gehen ihn mit. Weil wir müssen. Nicht weil wir wollen.
Die Zeit heilt nicht. Sie entfernt. Sie verwischt.
Und sie hinterlässt uns mit der endlosen Sehnsucht nach dem Moment, in dem du noch gelebt hast.